Vote für usk18 WoW

In der Folge vom Mittwoch der Super-Nanny war es mal wieder soweit das Thema „Spielsucht zerstört Familienleben“ wurde medienwirksam ausgeschlachtet. In diesem Fall waren es WoW-spielende Erwachsene. Zunächst einmal mag ich an der Stelle wieder Paracelsus zitieren „All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist.“

Vom Grund her ist das nur einer der vielen Einzelfälle über die das deutsche Fernsehen berichtet. Ich frage mich aber schon ob die potentielle Gefährdung nicht doch unterschätzt wird. Was wenn die Sucht-Gefahr ähnlich hoch ist wie bei Alkohol oder Zigaretten ? Für beide sieht der Gesetzgeber Altersbeschränkungen zum Schutz Jugendlicher vor. Vom Grund her sollte es machbar sein das bei Computerspielen ähnlich zu regeln. Nur den Willen zum Handeln.

Auch im Falle von WoW bräuchte es keine neuen Gesetze. Nur den Willen der Bundesländer dafür zu sorgen daß das nächste WoW-Addon ein usk18 bekommt. Wegen dem strukturellen Zwang das Addon zu kaufen würde das faktisch auch zu einem usk18 für das gesamte Spiel führen. Die Gefährdung für Einzelne (egal ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener) halte ich definitiv gegeben. Ein usk18 löst sicherlich keine Probleme. Es rückt aber potentielle Gefahren des Produktes ins richtige Licht.

Und möglicherweise sehen wird dann im TV auch weniger dümmliche Werbung von Mr.T

Luna

22 Kommentare

Eingeordnet unter World of Warcraft

22 Antworten zu “Vote für usk18 WoW

  1. Golem.de hat das Thema auch auf der Pfanne. Dort sind schon über… 140 Kommentare On:

    http://www.golem.de/0912/71631.html

    Ich sag nur… Kopfschüttel…

    Viele Grüße aus Essen,

    Yitu

  2. Kheldan

    Man sollte sich darüber im Klaren sein, daß mittlerweile sämtliche sogenannte „Reality-TV“-Sendungen weitgehend geskriptet sind, d.h. was man sieht ist in höchstem Maße gestellt und gefaked. Der Wahrheitsgehalt einer Super-Nanny-Folge ist daher als sehr niedrig anzusetzen, da wurden sicher aus „dramaturgischen“ Gründen die Probleme deutlich übertrieben dargestellt.

    Außerdem ist es im Fernsehen schon seit Jahren üblich Gefahren durch „Killerspiele“ oder MMOs übertrieben darzustellen und sie für alle Amokläufe etc. verantwortlich zu machen. Warum? Ganz einfach: es gibt Untersuchungen die klar zeigen, daß unter den jüngeren Männern (auch teilweise Frauen) das Fernsehen nicht mehr Medium Nummer 1 ist. Stattdessen verbringen viele ihre Freizeit lieber mit Computerspielen oder im Internet. Also, nicht alles glauben was im Fernsehen über „Killerspiele“ oder MMOs gesendet wird.

    Natürlich gibt es eine Suchtgefahr durch MMOs, aber im Vergleich zu Alkohol oder anderen Drogen dürfte die Zahl der MMO-Süchtigen verschwindend gering sein.

    Und schließlich: ein USK18 für WoW bringt wenig bis gar nichts, weil man aus einzelnen Berichten über WoW-Süchtige weiß, daß die schon über 18 waren. Ich halte auch die Gefahr für einen unter 18-jährigen, der noch bei den Eltern wohnt und entsprechende soziale Kontrolle hat, für deutlich geringer als z.B. einen Anfang/Mitte-20er, der alleine in seiner Singlewohnung sitzt.

  3. Gudi

    USk 18 für ein Comic-Spiel?
    Ich habe da eine bessere Möglichkeit das (Sucht-)Verhalten von Leuten zu beeinflussen: Eltern.

  4. Super-Nanny > Eltern!

    Aber um auf das Thema zu kommen, könnte man auf alles eine usk18 legen. Stattdessen sollte man erst einmal an anderer Stelle anfangen zu kehren.

    LG

  5. Gibt es eine Fürsorge-Pflicht für Hilfebedürftige -> ja
    Sind Süchtige Hilfebedürftig -> ja

    Bei einem Erwachsenen Hilfebedürftigen kann ich „erwarten“ daß er von sich aus Maßnahmen ergreift um sich aus seiner Sucht zu befreien. Für Minderjährige gibt es idR einen Sonderschutz.

    Daß RTL das Thema möglichst „reißerisch“ verkauft ist doch logisch – die wollen doch auch leben. Und bei den Standard-Drogen (Alkohol, Nikotin) gibt es für Minderjährige aus gutem Grund Zugangserschwernisse – da läßt sich kaum viel Aufmerksamkeit erzeugen.

    Ein usk18 ist vom Grunde her nichts anderes. Nur daß das für „jede Zigarettenmarke“ einzeln veranlaßt werden muß

    Luna

  6. Ein Erwachsener, der Hilfe braucht, erkennt das nur in den seltensten Fällen von selbst, ohne, dass etwas schlimmes passieren muss… d.h. das du da nix erwarten kannst.

    LG

  7. Das Problem ist einfach die gesellschaftliche Entwicklung, dass viele Mütter arbeiten müssen und die Kinder unkontrolliert machen, was sie wollen – dazu gehört auch WoW spielen. Ich hätte gar nicht die Chance gehabt, in dem Alter eine Computerspiel-Sucht zu entwickeln, weil meine Mutter zu sehr dahinter her war, dass ich zu Freunden gehe oder Sport mache (der Höhepunkt war die Behauptung, ich würde zuviel lesen 😦 ).

    Aber es gibt auch noch genug Kinder, die in gesunden Verhältnissen aufwachsen und denen ich WoW nicht verbieten wollte.
    Ingame haben Jugendliche nur eine negative Eigenschaft, nämlich dass sie (Essens-) Zeit nicht richtig abschätzen können, rumprollen tun erfahrungsgemäß eher die Erwachsenen.

  8. Goa

    Da muss ich Reefa zustimmen, eine Sucht erkennt man weder als Kind noch als Jugendlicher oder Erwachsener von selbst bevor es zu spät ist, oder wenn doch nur durch glückliche Umstände.

    Aber ich finde es übertrieben bei WoW-Spielen von Sucht zu sprechen. Es ist eine leidenschaftliche Begeisterung für etwas. Das hierbei bei einzelnen, und wir sprechen hier bei 12 Mio Spielern ja von Zahlen im Promillebereich, extreme Fälle auftreten passiert leider. Aber muss man denn immer alles reglementieren und einschränken nur weil es ein paar Leute die gibt die davon auf die falsche Bahn gelenkt werden ??

  9. Ja, muss man !
    Wenn Du argumentierst sie sind „auf die falsche Bahn geraten“ und kommen da alleine nicht mehr runter dann sind sie in jedem Falle süchtig und hilfebedürftig.

    Zur Hilfe gehört aber auch in jedem Falle die Zugangserschwernis um anderen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

    Luna

  10. Gudi

    Also wenn jemand süchtig nach Adrenalin ist, so müsste man ihm Freizeitaktivitäten, wie Fallschirmspringen, Achterbahnfahren oder gar den Motorradführerschein verbieten.
    So ein Szenario wie in „Equilibrium“ wäre doch da genau das Richtige. Der Spaß muss raus!

  11. Aber muss man denn immer alles reglementieren und einschränken nur weil es ein paar Leute die gibt die davon auf die falsche Bahn gelenkt werden ??
    ….
    Ja, muss man !
    Wenn Du argumentierst sie sind „auf die falsche Bahn geraten“ und kommen da alleine nicht mehr runter dann sind sie in jedem Falle süchtig und hilfebedürftig.

    Zur Hilfe gehört aber auch in jedem Falle die Zugangserschwernis um anderen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

    Ich halte diese Position für sehr europäisch und für sehr bedenklich. Ich brauche niemanden, der mir sagt, was für mich gut ist; jeder ist für sich und sein Glück/Leben selbst verantwortlich. Ich halte 12 Jahre für WoW ebenfalls für zu jung, denke aber, dass man 14 – spätestens 16jährigen durchaus Eigenverantwortung zutrauen kann.

  12. Noma stellt fest

    „Ich halte diese Position für sehr europäisch …“

    Ja, nun …

    2000 Jahre europäische Moraltheorie hinterlassen eben doch Spuren. Goa wie auch Reefa argumentieren doch „die Süchtigen erkennen die Sucht nicht rechtzeitig von alleine“

    Die Folge aus dieser Einschätzung ist doch daß die Süchtigen nicht rechtzeitig gegensteuern können. Die brauchen demnach also Hilfe – die Du ihnen doch weder verweigern kannst noch willst, oder ?

    Und um das noch einmal klar zu stellen

    exzessives Spiel =! automatisch gleich Sucht. Manchmal ist exzessives Spiel auch nur exzessives Spiel.

    Luna

  13. Malv

    Sehr…nunja…interessant wie man von offensichtlich suechtigen Erwachsenen auf eine Diskussion kommt die sich um den ‚Jugendschutz‘ dreht.

    Thema verfehlt oder wieder nur eine moeglichst reisserische Ueberschrift gesucht?

  14. 2000 Jahre europäische Moraltheorie hinterlassen eben doch Spuren.

    Auch die USA bauen auf 2000 Jahre europäische Moraltheorie und haben sich trotzdem für ein eigenverantwortliches Leben entschieden. Ich möchte ebenfalls keinen *fürsorglichen Vater Staat*, der mir vorschreibt, was gut für mich ist. Diese Einstellung ist – um die Republikaner zu zitieren- Sozialismus und wo das hinführt konnten wir in der DDR sehen.

    Die Folge aus dieser Einschätzung ist doch daß die Süchtigen nicht rechtzeitig gegensteuern können. Die brauchen demnach also Hilfe – die Du ihnen doch weder verweigern kannst noch willst, oder ?

    Es verweigert ihnen auch niemand, in Mainz gibt es z.B. extra eine Beratung für Online-Spielsüchtige. Natürlich besteht bei melancholischen / depressiven Naturen die Gefahr, dass sie süchtig werden, ich war es vermutlich auch lange genug. Nur wenn ich die Kraft habe mich aus dem Sumpf wieder herauszureißen, dann hat sie jeder.

    Für schätzungsweise 99,99% ist WoW ein mehr oder weniger intensives Hobby, ein 12jähriger Nachhilfeschüler sagte mir vor kurzem, es würde ihm Spaß machen am Wochenende (!) bis spät in die Nacht zu raiden. Was ist daran verkehrt, wenn er sich den Rest der Woche auf Schule/Fußball/Judo konzentriert? Willst du ihm verbieten zu spielen, bloß weil es verwahrloste Kinder gibt, deren Mütter überfordert sind, sei es mit der Erziehung allgemein oder dadurch, dass sie arbeiten müssen?

  15. Am Ende ist es doch nur eine Güterabwägung ob ich Zugangserschwernisse für Dinge sie süchtig machen können (egal ob Alkohol, Nikotin oder WoW) einrichte oder nicht. Und wer glaubt daß es die in den USA nicht gibt der möge doch bitte einmal versuchen als 20jähriger Alkohol zukaufen.

    Zugangserschwernisse sind weltweit zum Schutze Minderjähriger üblich.

    Luna

  16. Daher ist das Spiel auch ab 12 – und nicht ab 6, könnte man sagen. Ich meine ohnehin, dass im Vergleich zu der Bevölkerung im Bereich 20+ die „Kinder“ besser auf ihre Zeit acht geben können (Stichwort von Noma, ihr 12jähriger mit den Wochenendraids), als eben die älteren Generationen.

    Einzelfälle von Sucht unter Kindern gibt es halt immer wieder und ich wage zu behaupten, dass 6jährige die sich 24/7 Trickfilme anschauen, oder Pizza in sich reinschaufeln durchaus seltener sind, als entsprechende Gruppen unter den Erwachsenen. Bei den Kindern versagt es aber eben woanders und nicht an der usk, oder dem Fettgehalt…

    LG

  17. Goa

    Bei Nikotin und Alkohol ist die körperliche Schädigung neben der Sucht aber wohl ein wichtiger Bestandteil für die Zugangserschwerniss, und die ist nicht laut Forschung evtl. vielleicht vorhanden sondern ja leider Fakt.

  18. Wenn du so argumentierst solltest du aber auch bedenken, dass manch einer bereits die Nahrungsaufnahme durch WoW „vergessen“ hat. Ich denke, es gibt dort unzählige Beispiele, wie der Körper zu Grunde geht, wenn es sich um eine Sucht, wie bei Nikotin / Alkohol, handelt.

    LG

  19. Also für Sucht reicht es sehr wohl wenn man „nur“ psychisch abhängig ist. Physische Schäden sind eine zusätzliche Beeinträchtigung aber nicht zwingende Voraussetzung um das Merkmal zu erfüllen.

    Luna

  20. Also für Sucht reicht es sehr wohl wenn man „nur“ psychisch abhängig ist. Physische Schäden sind eine zusätzliche Beeinträchtigung aber nicht zwingende Voraussetzung um das Merkmal zu erfüllen.

    Und weil ein paar Probleme haben, sollen alle anderen darunter leiden? Nach der Logik müsste auch Alkohol verboten werden, bloß weil es Alkoholiker gibt. Was du forderst sind letztendlich chinesische Verhältnisse, die mit meinen Vorstellungen nach einem selbstbestimmten Leben nichts mehr zu tun haben – der Staat mischt sich ohnehin schon viel zuviel in das Leben der Bürger ist.

  21. Goa

    Ich sagte auch das diese körperlichen Schädigungen zu den Zugangserschwernissen führen und nicht das dies offizielle Voraussetzung für eine Sucht sind. Auch wenn dies meiner Meinung nach der Fall sein sollte. Und bei Nikotin und Alkohol ist es ja eben so das der alleinige Gebrauch dieser Suchtmittel zu direktem Schaden am Körper führt, und nicht weil man „vergisst“ zu Essen, dann kann vieles unter den Begriff Sucht fallen. Liebe zum Beispiel.

  22. Hallo zusammen,

    ich habe da einen aktuellen Artikel zum Thema.

    Zitat:

    „Kinder aller Schichten sind betroffen, meist im Alter von zehn bis 17 Jahren“, sagt die Psychologin Simone Trautsch (40). Zurzeit betreut sie 60 Kinder und Jugendliche während ihrer vierwöchigen Kur. Etwa ein Drittel von ihnen ist medienabhängig. Schätzungen der Berliner Humboldt-Universität zufolge finden bundesweit 600 000 Jugendliche den Aus-Knopf ihres TV-Geräts oder PC nicht mehr.“

    Quelle: http://www.abendblatt.de/region/norddeutschland/article201117/Kampf-der-Computer-und-TV-Sucht.html

    Man müsste somit eher über Mediensucht im Allgemeinen sprechen.